annemarie
Dienstag, 19. März 2019
gestern habe ich gelogen
und es fiel mir sehr leicht.
ich kann perfekt lügen, muß es dann aber sofort sagen.
das ist meine veranlagung.
nu, jedenfalls mußte ich einen digitalen radiokabelreceiver besorgen,
da hier bald alles abgestellt wird was nicht digital sondern analog ist.
nach der arbeit bin ich zielstrebig in einen technikmarkt, griff mir
meinen lieblingsverkäufer, schwatzte eine weile mit ihm und er riet mir
zu etwas, was ich vorher auch recherchiert hatte.
auf ihn kann ich mich immer verlassen.
da er mich zum ersten mal umarmte, ich mir das gerne gefallen ließ und
zurück umarmte ging ich wohl ziemlich strahlend durch die gänge,
richtung kassen.
ein mensch fischte meinen blick und fragte was, ich verstand nicht, fragte
was er fragte. obwohl ich erkennbar nicht zum verkaufspersonal gehörte.
wir standen bei den saftpressen und ich konnte nicht umhin ihm zu einer
analogen zu raten. wieviele orangen er denn pro tag ausdrücken müsse?
vier.
hm, dazu braucht es keinen strom. meiner meinung nach.
da er immer verzweifelter schaute unterbrach ich meinen energiesparvortrag
und ließ ihn zu wort kommen.
er wolle mit mir einen kaffee trinken.
a-ha.
ein mann, nicht leicht bestimmbar in welchem alter, aber einiges jünger als ich.
sehr gutaussehend, fein und individuell gekleidet.
lächelnd?
(letzteres kann ich bei fremden nicht von zähneblecken unterscheiden.)
ich sagte ich wäre eine alte frau und log in seine erwiderung hinein, daß ich 68 jahre alt sei.
(sogar ich konnte beim wegdrehen und gehen erkennen, daß er schockiert war.)
im grunde rannte ich fort, um zu verhindern diese lüge aufklären zu müssen.
gut, meine haare locken sich inzwischen den rücken hinunter, aber sie sind weiß!
mein gesicht ist voller furchen, falten und knitter.
kreuz und auch quer.
an der kasse fragte ich mich, was zum henker wollte der von mir?
mit guter laune fuhr ich nachhause, nicht weil ich so etwas als kompliment oder
ähnliches empfinde.
nein, ich hatte gelogen und es blieb dabei.
seit ich nichts mehr vom anderen geschlecht will, egal in welcher beziehung, musste ich,
höflich wie ich bin, mich einiger agressionen bei einem klarem "nein." erwehren.
da war dann hinterher nix mit guter laune.

zuhause fiel die laune doch in sich zusammen.
r. ist gestorben.
sanft, friedlich, nicht alleine.
sie wurde (fast) 98 jahre.
kennengelernt hatte ich sie ende 70er jahre, intensiven kontakt hatten wir seit dem letztem
jahr.
ein kämpferin, eine tänzerin, eine politikerin, eine kreative, eine bewußt-lebende, eine mutter.
eine starke und tolle frau.
früher hatte ich so großen respekt vor ihr, daß es an angst erinnerte; die zeit der letzten
monate war jedoch innig und mit zartem gefüllt.
von uns beiden.
dankbar bin ich dafür und froh um ihr ruhiges sterben.

funkel

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Sonntag, 3. Februar 2019
vieles ist weitaus wichtiger,
aber ich bin ganz zufrieden, daß ich nun auch 58 jahre
gelebt habe.
in den letzten wochen wurde ersichtlich, daß ich in einer ruine lebe.
mein versprechen jedoch, welches ich meinem körper
gegeben habe, das halte ich.
keine weiteren ops mehr, keine künstlichen gelenke.
das schaffe ich auch noch.

und nun bitte - schnee!

funkel

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Samstag, 29. September 2018
barfuß
laufen in einer welt aus scherben
sicherlich ja, bildet sich eine hornhaut
bis dahin aber ist es nicht einfach
bis dahin splittern einige zähne und krümeln die nägel
in den nächten
machst du dich tagsüber doch leicht und
fällst erst im schlaf.

atmen ist pflicht
schwarz der schnodder im tuch
die augenwinkel härten aus.

du bist weich geworden
hast es satt
wirst niemandes hunger mehr befrieden
deine finger bilden räuberleiter für
den einen für die andere
du bildest erinnerung ab und gibst
allen saubere tücher bis du
sie nicht mehr sehen kannst.

dein zorn verzeiht dir daß du nie wütend warst.

ist okay sagt er
mach mal was zu essen.
und zieh dir schuhe an.

funkel

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Samstag, 3. Februar 2018
immerhin....
siebenundfuffzig
und ich freue mich, daß ich lebe.

funkel

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Donnerstag, 2. November 2017
....
die dönerbude am heinrichplatz im herbst 1981.
d. und ich haben hunger, wir bekommen unser döner und gehen hinaus zum essen.
auf der anderen seite sehe ich einige punks und rufe ihnen irgendwas zu.
ist sonst nicht so meine art, aber ich habe den ersten ausgang aus der wiegmannklinik und lange
keinen meiner freunde mehr gesehen.
in der klinik, ich bin dort wegen schwerer depressionen, gibt es niemanden da der so ist und denkt
wie ich.
also herübergebrüllt mit vorfreude.
während sie zu uns hin laufen steht die welt auf einmal still.
einer ist dabei, den ich sehe und sonst sehe ich niemanden mehr ich höre nichts mehr, schmecke nichts und reisse eine ecke vom einwickelpapier ab.
um uns bohei und gejohle, aber wir zwei sind allein.
ich schreie nach einem stift und er bekommt meine telefonnummer auf die ecke geschrieben.
es dauert 2 verdammt lange tage, dann ruft er an.
ein punkkonzert im mehringhof, mir wäre alles recht gewesen, ich brezel mich auf und fliege dorthin.
wer dort spielte, keine ahnung, wir haben es nicht mitbekommen.
es war laut, wortlos waren wir uns einig und gingen los.
in die jahre unserer liebe.


es waren gute jahre, bitter und schön.
schwarzhaarig und kreativ.
alle beide.
axel und ich.
und jetzt, wo die trauer sinkt und teil von mir wird, fühle ich sie wieder.
manchmal mitten in etwas, manchmal absichtlich.
davon ist nichts tot, sein tod hat meinen boden aufgewirbelt und - da ist sie wieder!
die liebe.

funkel

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Donnerstag, 21. September 2017
lange-
-weile?
glauben sie mir, ich habe keine.
zur ruhe zu kommen habe ich mir abgeschminkt.
alles seinen lauf zu lassen, auch wenn es mich duchschüttelt.
lauf heisst ja nicht sanft, ruhig oder gelassen.
es gibt tage, da erwache ich mit reichlich blauen flecken und blutigen platzwunden;
ich habe keine ahnung von was, von woher.
dissoziieren nennt man so etwas, meine ärztin meinte heute, diese würden mich schützen.
ausgelöst, so vermuten wir, hat das auch der umstand, daß ein weiteres familienmitglied von mir im sterben liegt.
abschiednehmen darf ich nicht.
eben rief ich im krankenhaus an und fragte, ob ich zu besuch kommen darf.
nein.
aber, das ist eine ganz eigene geschichte.
kommenden montag ist der erste todestag meines alten freundes hagen.
dann kommt bruderherz geburtstag, den ich mir immernoch nicht ohne ihn vorstellen kann.
einen tag später ist axels todestag.
auch der erste.
dann herr pappnase.
dann h.
auf einmal ist solch heftiger schmerz wieder in mir.
gepaart jedoch mit immenser lust auf's leben und freude.
was für wunderbare und auch wunderschöne menschen mir nahe waren!
den begriff dankbarkeit, den verstehe ich nun.
das aushalten der diametralen gefühlslagen ist aber schwer.
ich habe ja "immer" verdrängt, was gerade akut in mir war, als wieder einer gestorben ist.
das verdrängen habe ich bis jetzt beibehalten, stückchen für stückchen nur durfte einiges heraus.
zu gewissen anlässen.
auf einmal wäre es nicht zu verarbeiten gewesen, ist klar.
denk ich an den einen, denk ich an die anderen - also beiseite schieben und ablenken.
ich mache irgendwie weiter und das gelingt mir - verblüffenderweise - sehr gut.
auch wegen frau regina.
erst nur eine nachbarin, mit der ich im hof plauderte und plauderte, bis uns die arme mit den einkaustüten zu lang wurden. schnell duzten wir uns und ich freute mich sehr darüber,
frau regina ist weit über 80.
inzwischen pflege ich sie, organisiere vieles und bin ihr ansprechpartner, wenn die schmerzen sie zermürben.
sie hat nicht nur parkinson, eine wirbelsäulenverkrümmung zur seite kommt auch hinzu.
bei ihr kann ich all mein wissen und meine erfahrungen in den ring werfen, sie profitiert davon.
schmerztherapie gesucht, neue hausärztin, ernährung muß gepflegt werden (bei parkinson verlieren die menschen den geruchs-und geschmackssinn, dadurch auch die lust am essen),
einen innenrollator habe ich ihr aufgeschwatzt (sie liebt ihn inzwischen) und so weiter und so fort - das allerschönste an unserem zusammensein aber ist, daß wir miteinander lachen.
reichlich.
ich gehe nie ohne von ihr fort.
sie ist so tapfer und ich bewundere das, sie ist aber eben auch voll mit galgenhumor, den sogar ein platter asperger, wie ich es bin, versteht.
ich sehe es als glück, sie in ihren letzten lebensjahren begleiten zu dürfen;
ich als person tue ihr auch sehr gut;
wir haben also glück.
und ich bin - glücklich.
trotz dem was kommen wird.

funkel

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Samstag, 27. Mai 2017
10 jahre....
gestern am stutti, abseits des trubels der orangenen, biß ich in den ofenwarmen croissant.
dabei fiel mir ein, daß ich vor exakt 10 jahren und und 2 monaten mein erstes blog
bei blogger online gestellt hatte und prustete mit einem "YEAH" fettige krümel um mich herum.
ich startete mit einem vierzeiler, den ich nicht noch einmal veröffentlicht sehen möchte, unter dem namen rachel.
2 wochen später fing ich an mir die seele aus dem leib zu schreiben.
meine ersten kommentatoren waren café au lait und herr pappnase.
(immernoch schmerzlich vermißt der herr pappnase; jeden tag schaue ich in einige seiner vielen seiten)
zu welch großer veränderung dieser schritt führte, das hätte ich nie zu träumen gewagt.
und das meine ich im sinne der wörter.
gestern - da war eines der themen die verknüpfung meiner schriften mit einem verlag.
ob da nun etwas draus wird oder nicht, ist mir egal. ich bevorzuge ja immer die option mich
zurück- oder rausziehen zu dürfen.
ich habe einfach angst vor solch einem schritt.
aber gestern wirkte das auf einmal so passend.
danke an alle - einen dank in den himmel - die mich gefördert und unterstützt haben!

funkel

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Samstag, 4. Februar 2017
sechs´nfuffzich.
deine ma trank am abend vorher noch ein glas wein, so war das anfang der 60er jahre im letzten jahrhundert.
du hattest dich schon auf den weg gemacht, aber der doc schickte sie wieder fort und ma und pa gingen nochmal eben was trinken.
während du die vorbereitungen für den kommenden tag triffst, fällt dir ihre geschichte aus botswana ein, als sich dein bruder bereit machte in die welt zu steigen; im buschkrankenhaus stand der doc rauchend neben ihr, um die geburt zu begleiten. ein vernarbter, alter fliegerarzt. der dann aber erfolgreich half, obwohl ma ihn zunächst aus dem kreißsaal schmiss, weil ihr vom qualm schlecht wurde.


kein grund zum feiern, denkst du, füllst die rotgepunktete thermoskanne mit kochendem wasser, stellst den rotgepunkteten topf auf den herd, eine blaugepunktete tasse neben den wasserkocher und wischt die krümel in den - natürlich - rotgepunkteten mülleimer, wirklich kein grund zum feiern.
ausgerechnet an deinem geburtstag stehst du noch einmal für einen ganzen tag im geschäft.
unsicher, ob du dort zum letzten mal arbeitest.
ausgerechnet an diesem tag vor einem jahr, holte dich mike von dort ab; schwer am schleppen mit all dem rotgepunkteten neuem zeug, was er für dich ergattert hatte.
unsicher bist du, ob du zuschließen mußt, um in ruhe zu heulen.
du verschwendest deine nacht mit gedanken und an gedanken.

am morgen liest du die analoge karte von ma und eine mail von der küste.
rätselst lange über den satz mit den 20 jahren; wie immer verstehst du erst einmal nicht und dann - und dann stand da der satz mit der hose.
eine rote hose, mit weissen punkten. und du lachst. und du fühlst dich getröstet.
so geht es weiter, den ganzen tag.
andauernd kommen keine kunden, es kommen die freunde.
schon der chef legte eine spur aus krokustöpfchen, kleinen karten und einem kilo topazäpfeln, er schrieb glückwünsche, er besprach deine mailbox mit welchen und er ruft an, um sie nochmals persönlich zu sagen.
eine brownietorte und blumen treffen auf deinen hungrigen magen, das kind und seine mutter sind bei dir. familie....
kaum sind beide gegangen ist mittagspause und deine älteste freundin entführt dich.
ihr nehmt einen italienischen snack und sie hinterlässt frische mandelkekse.
zwei anrufe ohne daß du viel sprechen kannst, du musst zuhören. schwerin singt im duett ein ständchen.
du hast die sorge, man könnte dich für unhöflich halten, weil du all die digitalen glückwünsche nicht kommentieren kannst, dir fehlt einfach die zeit dazu.
du hast gerade die buchhaltung in ordnung gebracht, das geschäft geputzt und schliesst die tür, da der müll ensorgt werden will, da siehst du rotkäppchen heranwanken.
einen korb im arm, die zudecke leuchtet von weitem herrlich in rot mit weissen punkten.
der korb gefüllt mit allem was dir auf den rippen fehlt. und blumen!
auch dein freund macht einen in tulpen; du fragst dich, wie du das alles zu dir bringen sollst.
überflüssige sorge.
nach einem (oder zwei?) glas spanischen roten, oliven und einem stück torte, stehst du abends eine stunde und beschneidest blumen, suchst alles was du an vasen finden kannst.
herr katz meckert erst, lockt dich kurz später satt und zufrieden zu sich ins bett.
ihr kuschelt und du gestattest dir zu weinen.
nur kurz und vor freude.

funkel

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Sonntag, 27. November 2016
mittendrin. (farewell für axel atta)
das aftershave von mindestens 15 männern reibt sich schwer ab
und ich bin innen ganz hell
heiser von und mit rum-cola rede halten und fragen
fragen über fragen die auch bleiben
wie als junges ding schaue ich auf zirkel die sich automatisch formen
mit dem unterschied daß axel sie alle verbunden hat.
 
 
er hatte sie alle
verzaubert
geärgert
verwöhnt
beglückt
gefilmt
bequatscht
zum lachen gebracht.
 
 
gestern hat er das alles auf einmal geschafft.
mit allen gleichzeitig.
 
 
und ich ausnahmsweise mittendrin.

funkel

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Samstag, 19. November 2016
kleine kostbarkeiten.
ein zwei überraschend formulierte sätze
eine geste
oder eine verwaltung die emphatisch agiert
sogar eine elektronische umarmung
ein liebevoll zerkochtes essen
und karierte taschentücher werden angereicht
einer findet ein glitzern und formt es zum witz
die seifenblasen steigen unter der küchenlampe auf
 
 
ich habe keinen schmerz in mir
ich bin einer
fühle wenig,
aber was ich fühle webt sich zu einem verband
der tröstet und mich hält.
 
 
ausserdem esse ich schmalzstullen,
damit mein körper nicht weiter verschwindet.
 
 
danke
euch allen.

funkel

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Letzte Aktualisierung: 2019.11.09, 14:24
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by sid (2019.11.09, 14:24)
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by ach annemarie (2019.11.09, 13:57)
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Keinen Streß : ) Wann auch immer, wird gut sein.
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wenn doch viele (seelen) so sprächen.... kann...
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das klingt für mich nicht blöd. im gegenteil. (auf...
by ach annemarie (2019.08.02, 08:27)

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