annemarie
Dienstag, 8. August 2017
auf der straße / XX / unterwegs mit axel / ca.1984
er hatte das auto und genügend geld für benzin, meines reichte für eine pizza und zwei kleine bier.
wir waren schon jahre nicht mehr ein paar, konnten aber nie so ganz voneinander lassen. vertraut und eingespielt.
reden, manches mal schweigen.
gelegentlich ein bißchen sex. nach diesem redeten wir meist über die aktuellen beziehungen.
über musik, gemeinsame freunde die abstürzten oder aufstiegen.
er schenkte mir tapes, ich ihm einen friseurbesuch.
unsere frisuren waren das intimste, worüber wir uns unterhielten.
wir gingen aus oder tranken tee am kachelofen, suchten neue "locations" auf, in denen
wir cool rumsaßen und uns scheußlich langweilten.
einen herbsttag schlug er vor, daß wir alles was wir besaßen für eine tour lockermachten.
nur raus hier, raus aus der stadt und fremde luft schnuppern.
der uralte benz war groß und bequem, wir hatten eine volle schachtel benson&hedges, auf nach hamburg.
dafür reichte eine tankfüllung.
auf'm rücksitz das köfferchen mit tapes, ich meine füße hoch und auf zur grenze.
ausweise? ausweise dabei.
nach den ersten holperkilometern in der ddr kam vorfreude auf.
wir kicherten, drehten die mucke voll auf und hatten ein freiheitsgefühl.
gute laune! raus aus dem knast! sagte er andauernd. meine augen gaben ihm recht, sie saugten die weite auf. ich sang schon immer gerne lauthals mit, sofern ich voller vertrauen war.
ihm gefiel das, er meinte, wir sollten mal über background reden....später.
eines von vielen projekten, die wir nicht mehr anspachen.
nach der zweiten kontrolle, hatten wir die die ddr hinter uns uns. fanden hamburg, verfuhren uns in hamburg.
und ernüchterten. fremd, aber nicht schön fremd, eher wie ein tourist.
wir teilten uns eine pizza in st.pauli, tranken das kleine bier, rauchten eine und fuhren zurück.
einen kleinen kuß und tschüß.
später erzählten wir uns und anderen davon, als hätten wir ein abenteuer erlebt.
 
 
ich denke in letzter zeit öfter mal an die sause mit axel; ich liebe diese erinnerung an ihn.
ich weiß noch, wie es in dem benz gerochen hat, was wir anhatten und wie schrecklich die pizza geschmeckt hat. gesungen hab ich mit den undertones und alice cooper. wir lachten über unsere ausweisbilder. ein behelfsmäßger ausweis, die grenzer, die spiegelkontrolle unter dem auto und leibesvisitationen, darüber sprachen wir auch.
ich liebte ihn sehr, den axel und ich liebe ihn noch.
der tod beendet das leben aber keine beziehung.

in berlin

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Dienstag, 11. Juli 2017
ich möchte backen, kann es aber nicht.
im moment würde das herrlich ablenken, nur fehlt mir der ofen dafür.
gestern las ich bei herrn vert eine zusammenfassung der hamburger ereignisse
und ich klaue mir mal einen schnipsel daraus, den: "...saß ich auf meinen händen".
genau so erging es mir. keine kraft, keine lust dazu etwas zu sagen.
heute früh aber wurde mir schlecht, als ich die einreihung unseres innenministers hörte.
"diese linksradikalen sind genauso schlimm wie die nsu und die islamischen terrorristen."
hmpf.
abgesehen davon, daß die dumpfbacken aus allen europäischen länder angereist kamen, sind sie meiner meinung nach radikal in testosteron. und ja, aus wahrscheinlich den gleichen ursachen,
aus denen sich junge männer den koran einvernehmen, um ihre frustration zu kompensieren und ihr ego aufzuwerten.
aber mit welcher verve sich etliche politiker das einverleiben, was in hamburg geschah, um es dem faschistischen geschehen gleichzustellen - das kotzt mich an.
ich bekomme eine große innere unruhe mit dieser art vergleichen.
gezielte morde, sprengstoffanschläge, brandstiftung, tot- und zu krüppeln geschlagene
opfer, bedrohung durch todeslisten, etc.,etc.,
herjemine, das ist ein anderes "kaliber" als der terror gegen dinge/sachen.
nach aller berichterstattung habe ich den eindruck: endlich!! endlich können wir die linken verantwortlich machen für terror und zerstörung!
für mich waren schon ende der 70er jahre jene keine linken, die in meinem geburtsbezirk zwei frauen vertrieben, die als paar lebten und eine kleine weinhandlung betrieben. bevor sie gingen, hatten sie enormen terror zu ertragen.
mir selber wurde vorgeworfen vom "scheißstaat "zu leben und meine fensterscheiben gingen zu bruch.
ich selber ging an krücken, konnte so nicht arbeiten....irgendwann ging ich aber auch entnervt fort.
miterlebt habe ich auch diejenige 1. mai-nacht die in folge jungs aus allen bundesländern anzog, sich ein abenteuer zu verschaffen. das wurde bei der im folgenden jahr schon sichtbar.
dafür hatte ich die jahre vorher nicht meinen kopf, meinen körper, meine unversehrtheit hingebeben. schon die tumbewohner, die kreuzberg 36 ihre regeln aufdrücken wollten, kamen aus kleinen dörfern, nicht anders die abenteurer.
nicht links nicht rechts nur intolerant, fanatisch und dogmatisch.
mal kurz einen bezirk kleinkloppen und dann wieder abhauen.
das schwarz der kleidung diente doch nur dem verstecken.
nicht einer anarchistischen lebenseinstellung.
ich bin all dessen so müde.
würde gerne backen, brot am liebsten.
und teilen.

gemurmelt

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Sonntag, 11. Juni 2017
trennen
mit einem herrlich klingenden tinitus von 1Khz und zwei versprechen begann ich den tag.
ich werde nichts mehr aus plastik kaufen, z.b. sind alle meine vorratsdosen inzwischen aus glas.
keine tüten mehr, keine dekorationen oder sonst etwas aus plastik
und das zweite versprechen....bleibt in mir.
aber sicher.
da mir der mensch auf dem sperrmüllhof es so hübsch erklärt hat, saß ich gestern in einem haufen von kisten, säcken, ordnern und tüten.
trennte sorgfältig: papier, ordner mit metall, ordner mit/aus plastik, dokumentenhüllen, fotos,
dias, kleinkram -
die allerletzten reste der nachlässe und für alles eine eigene tonne.
mir fiel ein schnellhefter in die hände, nochmal ein tagebuch von axel. begonnen 1999, beendet 2011. nur ca. 50 seiten, ausgedruckt und nachträglich von ihm kommentiert.
ich las und las, staunte, fühlte mich aber wieder wie ein störenfried, als täte ich etwas unrechtes. es ist intim, es ist seine privatsphäre.
aber nachdem er schnell und anonym verscharrt wurde, möchte ich folgendes seinen freunden nicht vorenthalten.
er schrieb über den tod und die beerdigung von turner:
mittwoch 12.08.1999
sonnenfinsternis und urnengang:
....gestern nun trafen wir uns mit mehr als 20 anderen freunden aus der alten szene zum "letzten gang". der friedhof ist im wesentlichen eine kriegsgräberstätte.
kein pfarrer, keine andacht noch sonst eine rede. ein städtischer bediensteter mit blauer uniform und berliner wappen auf dem arm, schritt langsam mit der
urne in den händen vor uns her. wir erreichten eine kleine wiese, die sich hinter einer hecke
verbarg.
am ende einer reihe, die sich quer über die wiese zog, war ein kleines loch gebuddelt, worin die urne sogleich verschwand.
es war wie der zufall es wohl wollte genau der zeitpunkt der höchstmöglichen verfinsterung der sonne in diesen breiten.
es wurde erheblich dunkler und ein kühler wind ließ die blätter in den baumkronen rascheln. herzzerreissend war es nicht, aber etwas bedrückend schon.
jeder der anwesenden warf eine handvoll sand hinterher.
h. erfüllte turners letzten wunsch. sie gab ein bund radieschen hinzu, nachdem sie bereits 2 mohnkapseln beigegeben hatte.
das war´s dann.
eine anonymes armengrab ohne blumen, ohne grabstein oder irgendeinen hinweis, ist alles was von ihm bleibt. immerhin hat er den letzten platz in der reihe, am fuß eines alten maulbeerbaumes erwischt. weder seine mutter noch seine schwester waren zur beerdigung erschienen.
 
ich werde mich mit einem monitor in verbindung zu einer überwachungskamera in einem bequemen sarg unter die erde bringen lassen, um mal zu sehen, wer so zu meinem begräbnis erscheint.

 
 
am abend wechselte mein empfinden zwischen dem lächeln über eine erfolgreiche
approbation des einen kindes und dem sehnen nach axel.
dem sehen nach einem abschied, der einen schnitt macht, nach ritualen und gesten.
dann roch sein schnellhefter auch noch so sehr. er lag neben dem bett und - roch gut.
kein wundern dachte ich, als der tinitus mich wachklingelte. kirschen zum frühstück und
ein dokumentation über cary grant halfen auch nicht.
ich las alles noch einmal und entschloß mich dies hier zu schreiben.
teilen....hilft.

momente

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Samstag, 27. Mai 2017
10 jahre....
gestern am stutti, abseits des trubels der orangenen, biß ich in den ofenwarmen croissant.
dabei fiel mir ein, daß ich vor exakt 10 jahren und und 2 monaten mein erstes blog
bei blogger online gestellt hatte und prustete mit einem "YEAH" fettige krümel um mich herum.
ich startete mit einem vierzeiler, den ich nicht noch einmal veröffentlicht sehen möchte, unter dem namen rachel.
2 wochen später fing ich an mir die seele aus dem leib zu schreiben.
meine ersten kommentatoren waren café au lait und herr pappnase.
(immernoch schmerzlich vermißt der herr pappnase; jeden tag schaue ich in einige seiner vielen seiten)
zu welch großer veränderung dieser schritt führte, das hätte ich nie zu träumen gewagt.
und das meine ich im sinne der wörter.
gestern - da war eines der themen die verknüpfung meiner schriften mit einem verlag.
ob da nun etwas draus wird oder nicht, ist mir egal. ich bevorzuge ja immer die option mich
zurück- oder rausziehen zu dürfen.
ich habe einfach angst vor solch einem schritt.
aber gestern wirkte das auf einmal so passend.
danke an alle - einen dank in den himmel - die mich gefördert und unterstützt haben!

funkel

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Donnerstag, 13. April 2017
axels heim. (für subi und steven)
wieder in einem hausflur und wieder wird der schritt schwerer, auf jeder weiteren stufe hinauf.
altbau, dunkel und still. aussenklo, jeweils zwei nachbarn müssen sich das teilen.
die tür macht angst, sie ist versiegelt, darauf fällt der erste blick und kurz hast du ein
flashback von mikes tür, der zweite blick sieht die offensichtlich mehrfach gebrochenen hölzer, die reparaturen.
eine geschundene tür.
dementsprechend, denkst du, muß es dahinter furchtbar aussehen.
aber auch wenn es keinen strom mehr gibt, dunkelheit herrscht und auch die türrahmen
hin zu den räumen zersplittert sind, herrscht klarheit.
es duftet, ja es riecht wohlig gut.
diesen guten geruch möchtest du ewig atmen.
und licht gibt es doch. rotes, warmes leises licht.
du schaust auf das bett, die decke ist nur mit einem zipfel zurückgeschlagen, in dem
kopfkissen ist der abdruck seines kopfes.
als ob er mal eben kurz pinkeln gegangen ist, denkst du und fühlst dich wie ein störenfried.
stehst da, mitten im raum und um dich herum verfallen alle ihren aktivitäten.
suchen dies, suchen das und reden.
wie unter wasser hörst du sie, siehst du sie, gehst zum bett und legst deine hand in die kuhle des kopfkissens.
es ist kalt in dem negativ seines kopfes.
für sekunden weinst du, aber nach innen.
dann reihst du dich ein und suchst dies und suchst das.
redest. packst. sortierst. organisierst.
und zuhause, noch viele monate später, hängt der geruch noch immer an seinen dingen.
tröstlich und behütend.
schön.

momente

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Donnerstag, 23. März 2017
vorwärts mit fortune
sie ist unerbittlich
aber sie ändert sich stetig
und sie ändert dich
sie will gelebt werden

 
 
als mike starb fiel ich in eine trauer wie ich sie vorher nicht kannte,
als liefe ich durch meine tage mit dem kopf im nacken, augen geschlossen,
eingewickelt in schmerz.
das blinzeln durch die lider fing gerade an, da starben die weiteren freunde.
einer nach dem anderen und ich verdrängte und erstarrte.
es tat mir gut, vordergründig, zu rennen, zu organisieren, zu machen und zu tun.
wegrennen, dabei hastig unendlich viele schmalzstullen zu verschlingen und doch wußte ich,
daß mit dem erledigen aller dinge auch das trauern wiederkommen wird.
ich hatte angst.
große angst, ich dachte, das muß ja eine riesige woge sein, die mich überrollen wird.
stattdessen platzen meine illusionen wie eine blutwurst in der pfanne, leise und ohne
brandblasen.
die uraltweisheit, daß es das eine - leben - ohne dem anderen - tod - nicht gibt, ist mir so klar geworden, daß ich es nicht denke, sondern fühle.
keine woge haute mich aus den schuhen. im gegenteil, ich stehe stabil auf dem neuen boden,
laufe gerade und habe die augen weit geöffnet.
nur für momente lege ich den kopf in den nacken. dann, wenn einer von ihnen mir fehlt,
wenn einer in mein erinnern rückt mit wort, duft, tönen oder einer farbe.
das beides wechselt sich ab und ich ertrage meine existenz ohne zu schwanken.
darüber staune ich sehr.
das trauern hat sich und mich verändert, ich habe viele entscheidungen getroffen.
daß ich sie getroffen habe, merkte ich meist erst beim umsetzen; ich wunderte mich mich über das was ich da tue.
ein radikales ausräumen meiner vielen vielen dinge, das halbieren meines haushalts
(was geschirr, besteck, töpfe etc. betrifft), vergeben und verschenken von allem was mir
auf einmal nicht mehr wichtig war und ist.
frei-räume-n.
einige exotische, einige schwere krankheiten habe ich überstanden; nun werde ich alles regeln,
damit alles geregelt ist.
ich habe mir versprochen, daß ich nie nie nie mehr ins krankenshaus muß. liegend jedenfalls.
kleinkram werde ich nicht unbedingt ignorieren, weiß jedoch genau, was ich mir nicht mehr antun lassen werde.

seit ende 2015 war ich mit dem malen und schreiben im ausnahmezustand.
nichts ging mehr.
ich war, frisch verheiratet seit september, bis in den februar 2016 auf dem wege der trennung.
ich selber vermute einen zusammenhang mit meinem blöden sturz im februar, der mich ja gezwungen hatte, zur ruhe zu kommen.
und dann kam der 3. märz und mein bester freund starb.
wie ich dieses jahr, mit allem was folgte, überstanden habe, das weiß ich nicht mehr so genau.
nach all diesen todesfällen, einige sehr brutal und unglaublich schrecklich, finde ich mich hungrig
tatendurstig und voller intensivster gefühle im hier und im jetzt wieder.
einen starken durst auf wörter habe ich, seit eingen nächten weckt er mich auf und meine farben äussern ein heftiges verlangen nach begutachtung, verreibung, vernichtung.
der geruch schweren papiers, jetzt ist er zurück.
lockt mich.
so ganz trau ich mich noch nicht....
aber bald, demnächst. ich spüre es.
und, ein alter freund - besser eine neu arrangierte freundschaft - schrieb mir folgenden wunderbaren satz:
Das mit dem aneinander Denken ist wohl eine der positiven Folgen eines negativen Ereignisses.

myself in many words

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Donnerstag, 2. März 2017
fast ein jahr.
du bist fort, nun weiß ich das ein wenig mehr.
du bist so weit fort, doch ich sehne mich nicht dorthin.
nicht mehr.
was du mir, uns allen an geschenken hinterlassen hast wird sichtbar.
noch sehne ich mich täglich nach dir, trage dich aber als gewesen in mir.
ich lerne.
und, ich bin wahrlich nicht mehr die person, die ich heute vor einem jahr
gewesen bin.
du hast mich noch in deinem tod verändert.
zwei drittel meines lebens haben wir uns hören, sehen, fühlen, streiten und vertragen, amüsieren, beklagen, austauschen, animieren können.
(als hätte wir uns je ordentlich gezofft...never ever.)
 
mein herz du meine zwillingsseele.
 
 

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Samstag, 4. Februar 2017
sechs´nfuffzich.
deine ma trank am abend vorher noch ein glas wein, so war das anfang der 60er jahre im letzten jahrhundert.
du hattest dich schon auf den weg gemacht, aber der doc schickte sie wieder fort und ma und pa gingen nochmal eben was trinken.
während du die vorbereitungen für den kommenden tag triffst, fällt dir ihre geschichte aus botswana ein, als sich dein bruder bereit machte in die welt zu steigen; im buschkrankenhaus stand der doc rauchend neben ihr, um die geburt zu begleiten. ein vernarbter, alter fliegerarzt. der dann aber erfolgreich half, obwohl ma ihn zunächst aus dem kreißsaal schmiss, weil ihr vom qualm schlecht wurde.


kein grund zum feiern, denkst du, füllst die rotgepunktete thermoskanne mit kochendem wasser, stellst den rotgepunkteten topf auf den herd, eine blaugepunktete tasse neben den wasserkocher und wischt die krümel in den - natürlich - rotgepunkteten mülleimer, wirklich kein grund zum feiern.
ausgerechnet an deinem geburtstag stehst du noch einmal für einen ganzen tag im geschäft.
unsicher, ob du dort zum letzten mal arbeitest.
ausgerechnet an diesem tag vor einem jahr, holte dich mike von dort ab; schwer am schleppen mit all dem rotgepunkteten neuem zeug, was er für dich ergattert hatte.
unsicher bist du, ob du zuschließen mußt, um in ruhe zu heulen.
du verschwendest deine nacht mit gedanken und an gedanken.

am morgen liest du die analoge karte von ma und eine mail von der küste.
rätselst lange über den satz mit den 20 jahren; wie immer verstehst du erst einmal nicht und dann - und dann stand da der satz mit der hose.
eine rote hose, mit weissen punkten. und du lachst. und du fühlst dich getröstet.
so geht es weiter, den ganzen tag.
andauernd kommen keine kunden, es kommen die freunde.
schon der chef legte eine spur aus krokustöpfchen, kleinen karten und einem kilo topazäpfeln, er schrieb glückwünsche, er besprach deine mailbox mit welchen und er ruft an, um sie nochmals persönlich zu sagen.
eine brownietorte und blumen treffen auf deinen hungrigen magen, das kind und seine mutter sind bei dir. familie....
kaum sind beide gegangen ist mittagspause und deine älteste freundin entführt dich.
ihr nehmt einen italienischen snack und sie hinterlässt frische mandelkekse.
zwei anrufe ohne daß du viel sprechen kannst, du musst zuhören. schwerin singt im duett ein ständchen.
du hast die sorge, man könnte dich für unhöflich halten, weil du all die digitalen glückwünsche nicht kommentieren kannst, dir fehlt einfach die zeit dazu.
du hast gerade die buchhaltung in ordnung gebracht, das geschäft geputzt und schliesst die tür, da der müll ensorgt werden will, da siehst du rotkäppchen heranwanken.
einen korb im arm, die zudecke leuchtet von weitem herrlich in rot mit weissen punkten.
der korb gefüllt mit allem was dir auf den rippen fehlt. und blumen!
auch dein freund macht einen in tulpen; du fragst dich, wie du das alles zu dir bringen sollst.
überflüssige sorge.
nach einem (oder zwei?) glas spanischen roten, oliven und einem stück torte, stehst du abends eine stunde und beschneidest blumen, suchst alles was du an vasen finden kannst.
herr katz meckert erst, lockt dich kurz später satt und zufrieden zu sich ins bett.
ihr kuschelt und du gestattest dir zu weinen.
nur kurz und vor freude.

funkel

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Samstag, 21. Januar 2017
dreieinhalb sätze. (klammer zählt nur halb.)
zusammengefaltet (wie ein blatt papier, was so oft gefältelt wird,
daß am ende jeweils beide daumen und zeigefinger in eine öffnung
gesteckt, diese konstrukt auf und zu klappen können, um verschiedene
wörter die am beginn auf das blatt geschrieben wurden, zu einem
satz vervollständigen; wie heisst dies faltwerk nur? hat es überhaupt
einen namen?) jedenfalls wirft dein körper starre falten, schwimmt
aber trotzdem auf dem bett, sobald du an dem damm rührst, ja noch
nicht einmal daran kratzt, du berührst nur das mauerwerk und sofort ist
nichts mehr sicher, unter dir, über und neben dir und sowieso in dir.

du redest mit ihnen, am morgen begrüßt du sie mit "hallo jungs.", mal
erzählst du dem einen mehr als allen anderen, mal fragst du den anderen,
ob es ihm recht sei, was du tust und das lauschen auf antwort erhöht den
damm, erniedrigt dein gewicht, auch wenn du ißt und ißt und ißt verschwindest
du hinter dem letzten loch im gürtel, denn nach dem liegt niete an niete,
es gibt keine möglichkeit zwischen ihnen halt zu machen, diese verdammten
nieten, angelaufen, verbogen und voller geschichten möchtest du zwischen
sie kriechen, das läßt dich mehr verzweifeln, als die erkenntnis, daß die
"jungs" alle erwachsene und ausgewachsene kerle waren und eben - waren.

es ist dir unmöglich zu trauern.

myself in many words

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Samstag, 10. Dezember 2016
2016
 
 
# ich bin gestürzt und gebrochen
 
 
# mike ist mehr als gestürzt und gestorben
 
 
# so viele herzen fingen an zu splittern
 
 
# atmen lernen und abschiednehmen
 
 
# ich verunfalle und lerne zu unterscheiden
 
 
# offizielle erlaubnis den namen in dem ich mich heimisch fühle zu tragen wird erteilt
 
 
# endgültiger abschied von hagen
 
 
# die schönen frauen schließen den bund fürs leben
 
 
# axel fliegt fort für immer
 
 
# in mir ist es sehr dunkelgrau
 
 
# herr pappnase verläßt unsere welt
 
 
# der kreis wird geschlossen durch holger der nicht mehr erwacht
 
 
# ein versteinertes verabschieden
 
 
 
 
es bleiben mir fragen es bleibt ein enormer schmerz
 
ich schaue oft in den sternenhimmel
ich vermisse euch so sehr
denke ich dann und doch funkeln die sterne und erinnere ich mich an die
die da sind
meine freunde
sie lieben mich und ich sie
alles beides bringt tränen
tiefe kerben am mund meine augen knittern
ich bin doch so gerne allein und nun
und nun fühle ich endlichkeit einsamkeit
wie einen wegweiser
einen pfeil der mich warnt nicht zu vergessen
das leben zu leben.



dies jahr hat mich um ein jahrzehnt altern lassen.

myself in many words

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Online seit 3118 Tagen
Letzte Aktualisierung: 2017.08.10, 23:19
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Danke für die Geschichte.
Danke für die Geschichte.
by sid (2017.08.10, 23:19)
danke für den einblick....
danke für den einblick. taliban und sittenwächter,...
by vert (2017.08.10, 12:44)
auf der straße...
er hatte das auto und genügend geld für benzin,...
by ach annemarie (2017.08.08, 20:27)
onlinekalorien!! herrliches...
onlinekalorien!! herrliches wort und so harmlos die...
by ach annemarie (2017.07.18, 11:16)
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by sid (2017.07.18, 00:37)

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