annemarie
Sonntag, 28. April 2024
heute, ein tag für mich und
wie das auftauchen aus einer anderen welt.
der welt der pflege.
nach 5 langen jahren.
bevor sie mich einverleibt, so ganz und gar, wurde mir eine rettungsleine
in ihrer tiefe angeboten und ich lasse mich daran haltend,
nun hochziehen.

pa ist 2x fast gestorben, ich wurde schon in das krankenhaus gerufen,
um abschied zu nehmen. natürlich wollte ich die nacht bei ihm verbringen,
ihn begleiten, aber ma schmiß mich raus.
mit den worten: "ich bin hier die nummer eins."
ich ging.
als ich am nächsten morgen dort wieder ankam, hüpfte sie fröhlich
um mich herum und sagte
" ich hab hier geschlafen, habe hier geschlafen!" und strahlte mich an.
später dann beschwerte sie sich, daß sie alle arbeit und dienste machen musste.

als bevollmächtigte/ansprechpartnerin für pa, hatte ich eine besprechung mit seinem doc; über das weitere procedere.
pa mit delir, schwach und atemnot.
und viel angst.
hospiz könne man vergessen, die nehmen nur onkologische patienten, nicht die, die wegen ihres alters sterben.
palliative stationen sind überfüllt.
nach hause ginge nur, wenn er in eine pflegegerechte wohnung käme.
sie sind also gezwungen, ihn in das nächste freie bett in ein heim zu verlegen,
da er nicht im haus bleiben darf.
die deutschen gesetze sagen, daß wenn jemand nicht mehr geheilt
werden kann, muß das so sein.
aha.

so habe ich in rekordzeit (und weil mir sein doc noch 3 tage im haus "schenkte"),
seine wohnung umgeräumt/gebaut, ein pflegebett plus allem zubehör, einen palliativen pflegedienst, eine palliativärztin und einen
24h- betreuungsdienst organisiert.
verträge gelesen/unterschrieben, über 160 telefonate geführt, lieferungen geordert und empfangen,
pflege-und betreuungszeiten plus pausenzeiten
koodiniert,
schulungen erhalten (sauerstoffgerät, dauerkatheder, etc.) -
und nach 3 tagen kam pa und wurde in sein neues bett gelegt.
die 24h-betreuung kam an und wurde eingewiesen, die anderen dienstleister kamen auch alle zu mir, etc., etc...
ich wurde heiser.
und müde.

im delir waren seine ersten nächte einfach sch***e, dann jedoch fing er an klarer zu werden und sich zu erholen.
er hatte mitbekommen, daß die pall.ärztin meinte, ein sterbender
darf alles essen, trinken und machen was er möchte....
um auf einen punkt zuzusteuern:
mein pa ist nun ein kleiner despot, der nicht daran denkt zu sterben.
er sagt andauernd und äusserst fordernd
"ich will sofort - alles erdenkliche hier einsetzen - haben."
erst freute ich mich enorm, daß es nicht so schnell mit dem sterben geht,
fühle mich jetzt leider wie eine angestellte von ihm behandelt.

ma will jeden abend bei ihm sitzen und harte sachen mit ihm saufen.
daß in dieser zeit die betreuung mal pause machen könnte, lehnt sie ab;
sie will keinen dienst absolvieren, was immer sie damit meint.
mir schrieb sie, ich solle mal über eine geschäftsfreie zeit nachdenken, ich wirke ja doch ziemlich überfordert.
(mein chef hat mir seit wochen frei gegeben)
und überhaupt, was ich da für verträge gemacht hätte? und wieso das alles geld kostet? ich solle mal rechenschaft ablegen und da -
platzte mir der kragen und ich griff nach der rettungsleine.
als auch pa meinte, er hätte mit ihr darüber gesprochen und sie hätte ihm glaubhaft gemacht, daß sie nur die allergrößte wertschätzung geäussert hätte, -
seit dem lasse ich mich nun wirklich hochziehen.
denn, nun habe (hätte) ich 2 personen solcher art an der backe;
ma ist eine narzistin, pa hat den egoismus, den sterbende haben.
eine ganz natürliche sache, aber im doppelpack für mich nicht
aushaltbar.

für 4 wochen ist pa rundum versorgt, alles danach darf ma dann regeln.
aufgetaucht bin ich als ein wrack und habe beschlossen mich gründlich zu
restaurieren.

mandelkern

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Montag, 27. Januar 2020
genug.
4004 tage sind genug.
ein nachruf:
annemarie gibt es nicht mehr.
sie wurde 13 jahre alt, allerdings schrieb sie hier unter verschiedenen namen.
löschte mehrere blogs, begann neue.
dieser hier ist der älteste.
sie ist nun auch alt genug zu gehen.

mandelkern

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Mittwoch, 24. Juli 2019
zwei nach zwölf.
ich muß mir das von der seele schreiben.
wie letztes jahr, im sommer, rutsche ich sonst in eine depression.

den balkonboden voller toter bienen, hummeln, verzweifeltes wässern des grün
vor der haustür, der himmel laut und voll mit fliegern, die straßen nicht wie sonst
in den ferien leer - sondern voller autos .... obst, gemüse aus sonstwo, nur nicht von hier,
plastik plastik plastik und man entkommt ihm nicht, niemals und nirgends.
die pole schmelzen, die eisbären verhungern, hier sterben 10 000e (!) fische, wegen
der erhitzung der gewässer ....
die bäume bekommen dürreschäden und viele werden die kommenden stürme nicht
überstehen. dabei sind es sie, die uns noch kühle geben.
wir haben den kreislauf zerstört und es kommt eine katastrophe auf uns zu, die nicht
reparabel sein wird.
ja klar hatte ich viel über leben und sterben nachgedacht - kein wunder ....
aber das ist etwas anderes.
mir selber gefällt es sehr, daß ich überhaupt so alt geworden bin.
aber bitte:
all die kinder, all die tiere, all die pflanzengemeinschaften.
was wird ihnen bleiben?
wovon werden sie leben und -
wie?
ich fühle mich ohnmächtig wie niemals sonst.
hilflos.
die verantwortung, die ich genau wie jeder trage, für die zukünftige generation,
die ist fast untragbar für mich.
sie wiegt so schwer.
ich tu was ich tun kann, ich vermeide was ich vermeiden kann.
aber das gefühl ist -
es ist zu wenig.
es ist nichts.
wir müssten alle wirklich sehr sehr viel tun.

mandelkern

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Samstag, 15. Juni 2019
schongang, ohne schleudern. (eigentlich)
eigentlich wollte ich heute früh zur neueröffneten französichen bäckerei laufen.
kleine eclair zum frühstück...hmmmm
oder der blechkuchen, der hält sich auch bis morgen frisch.
dann fiel mein blick auf den küchenwecker.
die datumsanzeige blinkte.
15.06.
23 jahre und ich bin einerseits erschrocken, andererseits hätte ich es fast vergessen.
um fast genau diese zeit fuhr ich los, in meine dunkelsten stunden.
in eine anderes leben, wobei die ersten 7,5 jahre reines überleben waren.
nein, ich mag kein französisches wort heute hören oder sehen.
eigentlich habe ich frieden in mir, nur dieser eine tag ist einer ohne haut.

vor zwei wochen bekam ich hohes fieber und stieg auf die leiter.
eigentlich wollte ich nur-mal-gucken.
daraus entwickelte sich eine orgie;
durch meine hände glitten fotos, briefe, tagebücher und nippes
in viele müllbeutel hinein.
jetzt besitze ich nur noch 2 fotoalben, eines von meiner omi, aus dem jahr 1929
eines mit den von mir geduldeten erinnerungen an mein leben.
nippes....alles weg....auch der ersatzschlüssel von dem golf europe,
der mir heute vor 23 jahren das leben rettete.
noch vor wenig zeit hätte ich nicht gedacht, daß ich auch den mit wonne in die tonne
werfen kann.
vielleicht geht es mir deshalb heute so, so empfindlich und traurig.
aber eigentlich bin ich sehr zufrieden.
gehe ich, muß niemand sich durch berge wühlen, aussortieren und schmerzerfüllt kram
entsorgen.
ich habe das ja in den letzten jahren einige male tun müssen.
sowieso, ich bin ja die letzte in meiner familie, väterlicherseits;
aber mütterlicherseits gab es niemals irgendeinen kontakt mit denen die da noch sind.

eigentlich hatte ich ein volles programm für heute,
aber die alten brüche und narben schmerzen.
(dieses körpergedächtnis ist ein schuft)
so verbleibe ich ruhig und warte auf das gewitter.
darüber freue ich mich, einen blauen himmel mit wattewölkchen hätte ich verflucht.
dieser tag bleibt ein zäsur und ist zum glück ein bißchen anders.
jedenfalls da draussen.

mandelkern

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Samstag, 27. April 2019
mein ziel, an einem ganz normalen tag.
vor mir läuft ein schmaler, grauhaariger,
sein nacken steigt sehnig aus dem hemd und ich möchte ihn umarmen
und in bruderherz verwandeln
inmitten der masse laufe ich ihm hinterher
trauer haut mir
eine rechts eine links
die masse schiebt mich weiter.
endstation, ich entkomme ihr.
mein mobil klingelt, ich gehe nicht ran. es könnte o. sein, ich habe seine stimme im ohr.
aber er ist tot.
er kann es nicht sein.
also gehe ich nicht ran.
zuhause liegt vor der wohnungstür das osterrätsel der zeitung, arg verspätet.
sie ist ziemlich dement geworden, mein nachbarin.
das rätsel schiebe ich unter's kleine katzenklo, falls er wieder daneben pinkelt.
ohne zzup löse ich keines mehr.
ich schaue auf sein foto, er steht an einem bootssteg und lacht.
daneben hängt o., auf einem bootssteg, er lacht nicht.
umgedreht schaut mich axl an. sehr ernst.
ich drehe und drehe mich
möchte hinaus.
noch kurz bevor diese woge verebbt denke ich an die liebe.
ich kann nicht anders
weglaufen, wegdenken, wegfühlen geht nicht.
was für ein glückspilz ich bin.
ich habe geliebt und tu es noch;
ohne wenn ohne aber ohne trotzdem.
und will stürzen, fallen in das in dem sie alle sind:

und dann werde ich mir sagen können
daß ich alles verlebt habe
ohne zu hassen
ohne zu verbittern
ohne hart zu sein und zu brechen
nicht mich niemand anderen
nur
liebe.

wenn mein leben mich wieder auf den bauch geworfen und
über den asphalt ziehen will,
laufe ich eben auf dem kopfsteinpflaster weiter.

mandelkern

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Samstag, 2. März 2019
einen satz in die unschuld und noch einen.
unter dem skelett des kreisel lege ich den kopf in den nacken,
(ob aus instikt oder habe ich es gehört?)
und sehe eine formation störche weit oben doch nahe beieinander
und den einem moment ziehe ich mit und denke an meine fruchtbarkeit,
die ich nie hatte,
und doch weiß ich was preßwehen sind, an denen andere schmutziges geld verdienten,
und doch wurde ich schwanger,
ganz früh von axl, der nie hätte befruchten dürfen,
nachdem ihm durch metalllene stollen seine hoden zerstört wurden,
er entschied daß keines geboren werden sollte,
bereute 30 jahre später zutiefst und ich wurde in den
folgenden jahren weiter schwanger und
verlor.

2013 dann wurden mir die so fruchtbaren teile entnommen, einiges neu
konstruiert und ich bleibe bis heute jungfräulich,
obwohl ich seitdem bilder, worte und gelassenheit gebar.

mandelkern

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Sonntag, 28. Oktober 2018
auch du mein o.
ich weiß nicht wie ich es aushalten kann.
soll.
o., über den ich hier vieles schrieb, den ich ich in den 80ern heiraten wollte, der mit seinem alkoholismus mich wegschleuderte und doch waren wir immer wieder uns nah.
nun ist wirklich keiner meiner liebsten mehr am leben.
ob freund, ob geliebter, ob mehr oder weniger als das.
alle sind nun tot.
ich denke ich stehe unter schock, aber ich fühle.
endlichkeit.
knallhart, ein naturgesetz.

mandelkern

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Freitag, 20. Juli 2018
so we come now to the bitter end
sie sind nun alle fort.
der aus grundschulzeiten,
der der die erste große liebe war,
der mentor,
meine zwillingsseele,
der vertraute und gut-tuende freund
und der schönste mann der welt.
dazu der, der zwillingsseeles bruder war, mein patenonkel - künstler und eigen wie ich selbst, meine patentante - nur eigen, wie sie eben war
onkel und tante nehme ich nicht auf in den reigen von kerlen, die mich begleiteten.

einige liebten mich, einige liebte ich, es gab zeiten da liebten wir uns gleichzeitig.
klar, ich bin dankbar.
daß es sie gab, daß ich sie kannte, daß sie mich kannten.
im moment aber fühle ich mich wie ein trudelnes stück weltraumschrott.
die verbindungen in meine vergangenheit sind gekappt.
jedenfalls alle männlichen verbindungen.
jetzt kann ich noch sagen ja, ich habe gute freundinnen.
auch von ganz früh, auch lang und innig.
durch die umstände der todesfälle habe ich auch überraschende neue vertraute (mänlich)
gewonnen.

ich liebe meine freudinnen sehr.
ich fühle mich wohl mit den "neuen" kerlen.
nach aussen hin kann ich lachen und genießen.
ein teil von mir ist jedoch losgelöst und trudelt.
im schwarzen und kalten.

mein schwarzer kater streicht mir jetzt um die beine und mauzt, er spürt daß ich traurig bin.
die augenblickliche gefühlslage ist dem umstand geschuldet, daß wir zzup beerdigt haben,
alle mails geschrieben sind, alle fotos versendet wurden, - das organisieren, machen und tun ist vorbei.
ich weiß nun kommt die eigentliche trauer.
nur, ich war noch nicht mit der über alle anderen soweit.
ich fühle mich tonnenschwer und gleichzeitig schwebe ich;
ich habe keine ahnung wie es ohne euch alle werden wird.
mit mir.
so ganz ohne männliche wurzeln,
wenn ich euch so nennen darf.

heute ist wieder der tag, wo ich um ein zeichen bitte.
und es wird ganz sicher eines kommen.
denn als ich 2016 um eines von mike bat, gab es das weiße feuerwerk.
wie mir heute bekannt ist, ist das aus dem botanischen garten empor geschossen,
da dort gefeiert wurde.
so wie heute.
also kerle, also jungs -
steckt eure seelen in ein paar raketen und zeigt es (euch) mir.
bitte.

mandelkern

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Dienstag, 19. Juni 2018
adè
fast 2 wochen lief ich mit einem immer größer werden angstgefühl im bauch herum und
schimpfte mit mir selber - "mach keine panik, denk nicht an das verdammte 2016, sei
bloß nicht übertrieben ängstlich,...."
und ja mein lieber, ich habe die angestellten in so vielen krankenhäusern genervt, bis sie aufgaben und mir versuchten auch rückwirkend zu helfen.
als wir telefonierten hast du gesagt, es ginge dir schlecht, du hättest fieber und wartest auf einen freund, der dich in krankenhaus bringt. der eine konnte dich nicht abholen, weil sein
auto nicht anspringen würde, aber da wäre noch jemand und bitte du kannst nicht mehr reden....sei nich böse annemariechen.
nein zzupl, bin ich nicht.
auch wenn du nie in einem krankenhaus warst.
was da letztendlich genau passierte, werden wir nie wissen.
es ist auch nun egal.

vor einem monat stellten wir fest, daß wir uns 50 jahre kennen.
deine ma ist meine musiklehrerin gewesen, du warst 2 klassen über mir an der grundschule.
wie üblich fuhren wir kleinen zum zelten nach schwanwerder, du hast dort auf uns aufgepasst.
die wahl des gymnasium trennte unsere wege, aber '73 trafen wir uns in der kirchengemeinde auf den aktionen wegen des putsches in chile wieder.
ende der '70er jahre dann im nachtleben des punk und als ich mit axel atta zusammen war
verbanden sich unsere kreise intensiver.
mit dem mauerfall zog ich mich aus allem zurück, ganze anderthalb jahrzehnte lang blieb ich allem fern.
dank fb - und dafür ist es wirklich gut - begannen wir wieder.
ich hab dir sehr vertraut, deine nähe tat gut und du warst so klug.
du warst einer der wenigen menschen, den ich nach heftigsten streitereien verzeihen konnte.
das hast du einem nicht schwer gemacht, du schöner mann, du charmeur, du sweetest diva.

mein herz zittert.
so, daß ich im ganzen zittere.
adè mein freund.

mandelkern

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Dienstag, 12. Juni 2018
doch, es ist wahr.
die letzten wochen waren nicht gut zu mir.
laufen, sitzen, essen, schreiben, schlafen - nichts ging mehr.
einige finger sahen aus wie würstchen (diese roten dänischen), die füße waren klumpen,
der rücken bog sich und ich knirschte und knackte im ganzen.
luft einatmen war mühevoll, der unterleib wirkte, als wolle er im nächsten moment
implodieren.
abends stand ich vor dem kühlschrank und griff nach dem cb döl und wollte es
nicht schlucken.
ich rief mir meine anfängliche begeisterung in den sinn und schluckte es weiter.
im nachhinein frage ich mich, warum ich nicht auf mein bauchgefühl gehört
habe.

als ich das öl zum ersten mal einnahm, legte ich mich auf mein bett, las ein wenig und
wurde müde.
ich lag auf dem rücken, die beine ausgestreckt, beide arme entspannt an den seiten.
so schlief ich ein.
mitten in der nacht wachte ich davon auf, daß ich immernoch so lag.
ich war verblüfft und konnte nicht weiterschlafen; mir war klar, daß ich das erste mal
seit fast 22 jahren absolut entspannt liegen und schlafen konnte.
ich freute mich.
was für ein fortschritt!
das letzte mal auf diese art bin ich in der nacht vor dem unfall eingeschlafen.
und kurz vor diesem, im auto - auch zum ersten mal. mein exmann hatte mich
überredet durch frankreich durchzufahren, nicht wie sonst immer ein hotel zu
suchen.
während ich tatsächlich zu den klängen der gipsy kings einschlief, fuhren wir ungebremst
in den peugot der geisterfahrerin.
ich wachte auf vom zusammenstoß, eine urgewalt weckte mich.
nein nicht mich, nur meinen körper.
mein geist erwachte für viele jahre nicht mehr.
sieben-einhalb jahre blieb ich in dem zustand.
ich kämpfte mich wieder heraus, nachts aber blieb ich auf einen meter gekürzt;
so sehr verkrampfte ich mich, rollte mich in mich selber.
entspannen ging nur noch durch anspannen.
in der zeit der umschulung in hamm, legte ich mich in der prüfungszeit schon mal mittags
für ein stunde hin und da ging es einigermaßen. ich konnte auf der seite liegen, nur leicht am zusammenkauern.
aber in der dunkelheit mußte ich "aufpassen" und ich dachte nicht, daß sich das je ändern wird.
begeistert blieb ich wach und genoß diese art zu liegen.

ich war kurz sehr glücklich, besonders darüber, daß mein restless-legs-syndrom verschwunden
war, denn damit wurde mein operierter fuß ziemlich malträtiert.
hauptsächlich aus diesem grund nahm ich das öl; ich hatte lange und ausführlich recherchiert.
einige tage vor einem termin bei meiner schwimmlehrerin ließ ich das öl weg.
mir ging es so schlecht, daß es mir egal war ob ich es nahm oder nicht.
ich konnte mich kaum noch bewegen, ich schlurfte wie ein sack knochen durch den tag, war
so schreckhaft wie jahre nicht mehr und begann depressiv zu werden.
um die situation in den griff zu bekommen, überlegte ich mir ernsthaft, auch für mich einen
pflegegrad zu beantragen.
mit diesen händen, füßen, mit diesem körper war ich unfähig mich selber zu versorgen.
ich merkte auch daß ich nicht mehr genug aß, das stehen und kochen, essen und abwaschen
überforderte meine kraft.
einkaufen? pah.
alles war leer, am meisten ich selbst und herr katz war auch noch krank.
sein spezialfutter und seine medikamente besorgte ich, mehr aber ging nicht.

ich fuhr zum termin, sortierte die knochen im sessel und erzählte ihr, wie es mir ging.
rekonstruieren kann ich diese stunde nicht mehr; sie ist wie ein traum.
erwartet hatte ich neue schwimmflügel und mindestens einen rettungsring.
gegangen bin ich mit einem "das darf doch nicht wahr sein?!" und zwei buchempfehlungen.
mit einem mal, im sinne des wortes, wurde es klar, daß die wirkung, abgesehen vom
r-l-syndrom (was bis heute verschwunden ist), mich in eine retraumatisierung gebracht hat.
alle beschwerden sind ja verschwunden, seit ich das öl nicht mehr einnehme.
alle beschwerden zusammen sind genau der zustand, in dem ich mich stunden nach dem unfall
befand. nicht ganz so extrem, aber exakt an den stellen die verletzt waren, hatte ich wieder
schmerzen gehabt.
das heißt: die entspannung hat meinen körper und meinen mandelkern in den hab-acht-modus
versetzt, ohne das wissen, daß dies nicht mehr nötig ist.
zeit spielt keine rolle, für unerledigte traumata ist es immer "jetzt passiert es".
so lange ich nur entspannung durch anspannung finde, mich jede nacht verknote und einrolle,
ist es mir herzlich egal, daß ich das öl nicht mehr einnehmen kann.
ich staune darüber, wie der körper und ein teil vom gehirn reagieren können; daß aus einer
"erinnerung" handfeste entzündungen und schmerzen werden.
am besten ausgedrückt wird das im titel des buches von bessel van der kolk -
"trauma und gehirn
verkörperter schrecken
neurowissenschaften und traumatherapie"
eine der grundlagen seiner schrift, sind die neuesten erkenntnisse von stephen porges über
die polyvagaltheorie.
(die polyvagaltheorie und die suche nach sicherheit: traumabehandlung, soziales
engagement und bindung)
beides gibt es im g.b. probst verlag als taschenbuch.

herr katz ist genesen und ich bin schmerzfrei und ziemlich munter.

mandelkern

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Letzte Aktualisierung: 2024.06.16, 09:48
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ja. ohja und wie. bruder kam aus dem ausland angereist...
by ach annemarie (2024.06.16, 09:42)
Mein herzliches Beileid,...
Mein herzliches Beileid, liebe annemarie. Es ist ein...
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