annemarie
Donnerstag, 13. Dezember 2018
# januar bis oktober
die monate verflogen im wechsel zwischen lady r. und der akustik, wobei die betreuung
immer mehr zeit einforderte.
bis ich dann nicht mehr konnte.
und nicht mehr wollte.
hinzu kam lady h., in meinem haus; eine betreuung die auf die selbsständigkeit
von ihr ausgerichtet war.
von ihr und ihrer familie gewürdigt wurde.
so baute ich lady r.s wohnung pflegegerecht um und ging.

# im juni starb mein freund zzup.
ich hatte das gefühl, alles beginnt von neuem.
und doch wieder nicht.
kein sterben, keiner der toten ist miteinander vergleichbar.
kein trauern ist dem anderen ähnlich.
ma ging es sehr viel schlechter, aber sie hat es noch einmal geschafft.
von ihr muß ich meine zähigkeit haben.

# der juli.
beerdigung, begutachtung, bauen.
alles wird überdeckt vom arbeiten.
und ich übernehme noch eine betreuung.
eine, die mich jedes mal glücklich nachhause fahren läßt.
bis heute.

# august, september, oktober.
ein versuch urlaub zu machen scheitert.
erst die grippe, dann die gürtelrose.
was mich aufgerichtet hat, sind die folgen eines essens mit meinem chef.
einige meiner bilder hängen nun öffentlich herum.
er spricht davon, mich groß rauszubringen.
rausbringen allein reicht, erwidere ich.
was mich wieder ins schwanken bringt, ist der tod von o.
sein beerdigung im

# november
ist eine zäsur.
nachdem ich auf der steifen beerdigung unangenehm auffiel;
ich war die im feuerwehrroten mantel und den giftgrünen strumpfhosen unter 200
schwarzgekleideten menschen;
war ich gewillt etwas zu ändern.
nein, nicht die buntheit, die meinem o. mehr als gut gefallen hätte.
im gegenteil.
einen ansprechpartner und eine hilfestellung für die veränderung fand ich schnell.
schneller als gedacht.
somit verlasse ich mit dem

# dezember
dieses jahr.
und das mit lebensfreude, ohne meine alten ängste.
diese haben sich im november, nachdem sie über 50 jahre mit mir lebten,
friedlich verabschiedet.
so long.

# fazit:
durch und durch ein "so long!"- jahr.
ohne "see you".

myself in many words

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Montag, 24. September 2018
ein ganzer tag II (nach einer idee von richard gleim)
herr katz putzt mit inbrunst meinen linken ellenbogen und ich wache auf.
lachend, es killert und dann merke ich daß es schon hell ist.
auch er ist also im urlaubsmodus, ich bedanke mich bei ihm.
seit wie vielen jahren habe ich nicht mehr bis nach sieben uhr geschlafen?
ich weiß es nicht.
trotzdem bin ich noch nicht ganz im hier, aber er hat hunger und wird laut
die bohnen sind gemahlen und ich rieche lange, herr katz schmatzt. so ohne ihn, denke ich,
wäre es recht still hier. ausserdem würde mir die morgenbückerei fehlen, das auffegen und
das säubern seiner toilette.
das macht verdammt wach und dehnt den rücken.
die espressokanne faucht, ich schnurre bei den ersten schlucken und versuche zu lüften.
es knallen die fenster und mir werden birkensamen geliefert. pfundweise dieses jahr.
lust auf frühstück habe ich nicht und setze mich an den schreibtisch;
ein paar letzte mails für die arbeit, damit ist das thema auch erledigt, die petition für einen
inhaftierten türken unterschreiben.
eine mail an ma und nach den bestellungen schauen. alles für herrn katz,
sein spezialfutter gibt es nur per versand.
darüber fällt mir mein frühstück ein und danach wasche ich mir die haare. noch bis vor einem
jahr wäre das keinerlei bemerkung wert gewesen, sie sind aber so lang geworden, daß es in
arbeit mündet sie zu pflegen.
(manchmal erschrecke ich vor meinem spiegelbild, denn nach 20 jahren absolut kurz sehe ich
völlig anders aus)
eigentlich verabscheue ich dies rumgefummel, kurz war praktisch und schnell getan.
doch seit mikes tod habe ich nur einmal eine schere daran gelassen und die auch nur in
millimeternähe. fluchend versuche ich die locken zu entwirren und denke an mike,
renne schnell in die küche um in den kalender zu sehen - nein, heute ist der 24.
erst morgen ist hagens 2. todestag, ich bin erleichtert über meine gute hirnleistung.
übermorgen dann herr pappnase, dann axel, danach holger, alles so dicht beieinander.
eine traurige zeit und doch liebe ich den herbst. seine farben seine gerüche und endlich regen.
nach 5 monaten dürre freue ich darüber sehr.
die sturmböen verhindern erfolgreich, daß ich heute eine fuß vor die tür setze.
immerhin hab ich ich urlaub und kann verschieben.
und wie ich das kann.
etliche seiten über die rechte blaue partei lesen, über österreichs prozeß gegen eine
abgeordnete und über die fahrradfahrersituation in berlin.
alles schwere kost, ich lege mich hin und höre mir bretonische geheimnisse an.
gelesen von gerd warmeling, der eine solch schaue stimme hat, daß ich sofort einschlafen
kann.
den tip hörbücher zum einschlafen zu benutzen, natürlich mit angenehmen stimmen, hatte mir
die schwimmlehrerin in hamm gegeben.
mir als kleines hatte nie jemand vorgelesen, vielleicht besteht da nachholbedarf.
egal, hauptsache es funktioniert.
mich weckt der abrupte wechsel von dunkel zu sonne und ich stehe auf, ab in die küche.
träumte von makkaroni und siehe da, ich habe welche.
fein geraspelte möhre, chili, knoblauch, zwiebeln, etwas speck, olivenöl und petersilie.
darüber alten käse und das ist so gut, daß ich im stehen esse.
herr katz ist dabei merkwürdig still, bis ich sehe daß er sich quasi in die heizung schmiegt.
in die, die für ihn angestellt ist.
vom schreibtisch aus schaue ich in den himmel, wunderbare wolkenberge fetzen vorbei,
dazwischen kurz ein stück türkisfarbener himmel, blätter stehen und trudeln, mal sonne mal
keine. mit einer gedrehten und einem glas cabernet grenache (von aldi, kann ich nur empfehlen)
möchte ich in ruhe schreiben - da gibt es einen feueralarm im haus.
ist nichts schlimmes, den nachbarn ist wieder mal die milch angebrannt.
mir fällte der feueralarm in hamm ein; ich saß im 9. stock, hörte ein komisches geräusch und
rief den pförtner an.
ganz die stolze akustikgesellin erklärte ich ihm, daß die haussprechanlage eine rückkoppelung
hätte.
meinegüte hat der mann mich angeschnauzt.
nie im leben flog ich treppen schneller herunter!
im morgenmantel und ohne brille stand ich unter meinen mitbewohnern, die sich alle zeit
genommen hatten sich anzuziehen.
die kannten das schon, ich nicht. ich fühlte mich schon ziemlich ausgelacht.
jedenfalls ist es witzig für mich, daß ich auch im moment im morgenmantel dasitze, allerdings
im 3. stock und mit brille.
ich mache noch einen anruf, spreche mit a., einer freundin von zzup, um die ich mich seit seinem
tod gekümmert habe.
inzwischen sind wir befreundet, wir sehen es als geschenk von ihm an uns.
einer geht fort und hinterläßt menschen, die ohne sein sterben uns nie so nahe gekommen wären.
ach, herr katz hat wieder ordentlich hunger - schnell füttern, sonst kippt er mir noch um.
und ich suche dann das kapitel im hörbuch bei dem ich vorhin einschlief, um nochmals gut einzuschlafen.

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Sonntag, 3. Dezember 2017
hinterrücks erinnern:
# den dezember beginne ich mit einem kleinen verrat -
so kommt es mir jedenfalls vor, wenn ích mir ein neues telefon anschaffen muß und das alte
mit seinem besprochenen beantworter in eine kiste packe.
ungehört.
2 nachrichten sind darauf, von bruderherz mike.
ich schaffe es nicht.
am 1. habe ich erfahren, daß ich mitglied der hashimotogang bin.
es gibt wirklich schlimmeres und ich bin sogar eher erleichtert, da das einiges erklärt.
ansonsten kann mir der dezember mal, denn wir warten auf den tod eines familienmitgliedes.

# im november arbeitete ich soviel wie seit vielen jahren nicht.
meiner kleinen lady ging es nicht gut, jetzt ist sie auf drogen und das hilft auch nicht besonders.
immerhin kenne ich jetzt einige phantastische ärzte.
kann man vielleicht mal gebrauchen.....
der freundeskreis um bruderherz und h. traf sich; wir haben gehörig gefeiert. und innig .
ich liebe sie alle.

# der oktober begann mit bruderherzens geburtstag und dem treffen deshalb.
gleich einen tag später versuchten das c., der z. und ich axels 1. todestag zu begehen.
wir sind ein wenig ausgerutscht.
am tag danach hatte ich einen emotionalen kater, der sich gewaschen hatte.
ein tag war reserviert für herrn pappnase.
zum glück schmerzte mein neues tattoo ab und zu, das gab mir halt.
weil es ein anderer schmerz war.

# auch im september gedachte ich einem menschen der mir sehr fehlt,
hagens 1. todestag.
(unbegreiflich das alles so hintereinander geschrieben.)
einen glücksmoment hatte ich, als meine küche fertig gestrichen war.
nach 11 jahren!
in sonnengelb!
ich habe sie kaum wiedererkannt.
seit diesem monat bin ich mitglied in einer partei, das erste mal im leben.

# der nasse august verlief ruhig, nur das farewell für meinen patenonkel kratzte am dünnen schorf.
meine kleine lady fuhr 1 woche in den urlaub, ich aber ölte ihre möbel.
wann hatte ich je urlaub?

# juni und juli packe ich zusammen, sie gestalteten sich auch beide sehr naß und sehr ruhig.
mein onkel starb im fernen australien. ein maler, der auf seinem kontinent bekannt war.
ma und pa brauchten mehr trost als ich; in mir gab/gibt es so etwas wie routine, was die
schlechten nachrichten betrifft.
bemerkenswert ist für mich, daß ich nach jahren der abstinenz einen backofen erwarb, somit
begann, mich wieder vernünftiger zu ernähren.

# im mai war ich fertig mit bruderherzens nachlaß.
und machte mich noch intensiver an den von axel.
ich träumte sehr viel und nicht nur traurig, tanzte - nein, ich pogte regelrecht durch meine bude, da ich geküsst wurde.
von der lebensfreude.

# seit april bekomme ich wohngeld und kann etwas leichter leben.
ausserdem beschloß ich, mir nicht mehr die haare schneiden zu lassen.

# der 3. märz.
für immer verbunden mit mikes tod.
sonst war da nix und es reichte auch.

# scheidung im februar.
sehr erleichternd.
mein erster geburtstag ohne bruderherz, das war schmerzlich. gegen das, was meine freunde auf die beine stellten, hatte dies gefühl aber keine chance.

# im januar häuften sich die geburtstage, essenseinladungen und auch die arbeit.
ich wurde geschnitten, 6cm tief, aber zum glück ambulant.
auch diesen schmerz genoß ich, aus gründen wie im oktober.

##ein fazit (mal was neues):
ich bin gewachsen, quasi mit meinen locken.
ich bin jetzt weiß, nicht nur auf dem kopf.
ich bin ruhig geworden, nicht nur beruhigt.
das allermeiste ist für mich nun gleich wichtig und gleich unwichtig, nicht mehr
ungleichgewichtig.

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Donnerstag, 23. März 2017
vorwärts mit fortune
sie ist unerbittlich
aber sie ändert sich stetig
und sie ändert dich
sie will gelebt werden

 
 
als mike starb fiel ich in eine trauer wie ich sie vorher nicht kannte,
als liefe ich durch meine tage mit dem kopf im nacken, augen geschlossen,
eingewickelt in schmerz.
das blinzeln durch die lider fing gerade an, da starben die weiteren freunde.
einer nach dem anderen und ich verdrängte und erstarrte.
es tat mir gut, vordergründig, zu rennen, zu organisieren, zu machen und zu tun.
wegrennen, dabei hastig unendlich viele schmalzstullen zu verschlingen und doch wußte ich,
daß mit dem erledigen aller dinge auch das trauern wiederkommen wird.
ich hatte angst.
große angst, ich dachte, das muß ja eine riesige woge sein, die mich überrollen wird.
stattdessen platzen meine illusionen wie eine blutwurst in der pfanne, leise und ohne
brandblasen.
die uraltweisheit, daß es das eine - leben - ohne dem anderen - tod - nicht gibt, ist mir so klar geworden, daß ich es nicht denke, sondern fühle.
keine woge haute mich aus den schuhen. im gegenteil, ich stehe stabil auf dem neuen boden,
laufe gerade und habe die augen weit geöffnet.
nur für momente lege ich den kopf in den nacken. dann, wenn einer von ihnen mir fehlt,
wenn einer in mein erinnern rückt mit wort, duft, tönen oder einer farbe.
das beides wechselt sich ab und ich ertrage meine existenz ohne zu schwanken.
darüber staune ich sehr.
das trauern hat sich und mich verändert, ich habe viele entscheidungen getroffen.
daß ich sie getroffen habe, merkte ich meist erst beim umsetzen; ich wunderte mich mich über das was ich da tue.
ein radikales ausräumen meiner vielen vielen dinge, das halbieren meines haushalts
(was geschirr, besteck, töpfe etc. betrifft), vergeben und verschenken von allem was mir
auf einmal nicht mehr wichtig war und ist.
frei-räume-n.
einige exotische, einige schwere krankheiten habe ich überstanden; nun werde ich alles regeln,
damit alles geregelt ist.
ich habe mir versprochen, daß ich nie nie nie mehr ins krankenshaus muß. liegend jedenfalls.
kleinkram werde ich nicht unbedingt ignorieren, weiß jedoch genau, was ich mir nicht mehr antun lassen werde.

seit ende 2015 war ich mit dem malen und schreiben im ausnahmezustand.
nichts ging mehr.
ich war, frisch verheiratet seit september, bis in den februar 2016 auf dem wege der trennung.
ich selber vermute einen zusammenhang mit meinem blöden sturz im februar, der mich ja gezwungen hatte, zur ruhe zu kommen.
und dann kam der 3. märz und mein bester freund starb.
wie ich dieses jahr, mit allem was folgte, überstanden habe, das weiß ich nicht mehr so genau.
nach all diesen todesfällen, einige sehr brutal und unglaublich schrecklich, finde ich mich hungrig
tatendurstig und voller intensivster gefühle im hier und im jetzt wieder.
einen starken durst auf wörter habe ich, seit eingen nächten weckt er mich auf und meine farben äussern ein heftiges verlangen nach begutachtung, verreibung, vernichtung.
der geruch schweren papiers, jetzt ist er zurück.
lockt mich.
so ganz trau ich mich noch nicht....
aber bald, demnächst. ich spüre es.
und, ein alter freund - besser eine neu arrangierte freundschaft - schrieb mir folgenden wunderbaren satz:
Das mit dem aneinander Denken ist wohl eine der positiven Folgen eines negativen Ereignisses.

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Samstag, 21. Januar 2017
dreieinhalb sätze. (klammer zählt nur halb.)
zusammengefaltet (wie ein blatt papier, was so oft gefältelt wird,
daß am ende jeweils beide daumen und zeigefinger in eine öffnung
gesteckt, diese konstrukt auf und zu klappen können, um verschiedene
wörter die am beginn auf das blatt geschrieben wurden, zu einem
satz vervollständigen; wie heisst dies faltwerk nur? hat es überhaupt
einen namen?) jedenfalls wirft dein körper starre falten, schwimmt
aber trotzdem auf dem bett, sobald du an dem damm rührst, ja noch
nicht einmal daran kratzt, du berührst nur das mauerwerk und sofort ist
nichts mehr sicher, unter dir, über und neben dir und sowieso in dir.

du redest mit ihnen, am morgen begrüßt du sie mit "hallo jungs.", mal
erzählst du dem einen mehr als allen anderen, mal fragst du den anderen,
ob es ihm recht sei, was du tust und das lauschen auf antwort erhöht den
damm, erniedrigt dein gewicht, auch wenn du ißt und ißt und ißt verschwindest
du hinter dem letzten loch im gürtel, denn nach dem liegt niete an niete,
es gibt keine möglichkeit zwischen ihnen halt zu machen, diese verdammten
nieten, angelaufen, verbogen und voller geschichten möchtest du zwischen
sie kriechen, das läßt dich mehr verzweifeln, als die erkenntnis, daß die
"jungs" alle erwachsene und ausgewachsene kerle waren und eben - waren.

es ist dir unmöglich zu trauern.

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Samstag, 10. Dezember 2016
2016
 
 
# ich bin gestürzt und gebrochen
 
 
# mike ist mehr als gestürzt und gestorben
 
 
# so viele herzen fingen an zu splittern
 
 
# atmen lernen und abschiednehmen
 
 
# ich verunfalle und lerne zu unterscheiden
 
 
# offizielle erlaubnis den namen in dem ich mich heimisch fühle zu tragen wird erteilt
 
 
# endgültiger abschied von hagen
 
 
# die schönen frauen schließen den bund fürs leben
 
 
# axel fliegt fort für immer
 
 
# in mir ist es sehr dunkelgrau
 
 
# herr pappnase verläßt unsere welt
 
 
# der kreis wird geschlossen durch holger der nicht mehr erwacht
 
 
# ein versteinertes verabschieden
 
 
 
 
es bleiben mir fragen es bleibt ein enormer schmerz
 
ich schaue oft in den sternenhimmel
ich vermisse euch so sehr
denke ich dann und doch funkeln die sterne und erinnere ich mich an die
die da sind
meine freunde
sie lieben mich und ich sie
alles beides bringt tränen
tiefe kerben am mund meine augen knittern
ich bin doch so gerne allein und nun
und nun fühle ich endlichkeit einsamkeit
wie einen wegweiser
einen pfeil der mich warnt nicht zu vergessen
das leben zu leben.



dies jahr hat mich um ein jahrzehnt altern lassen.

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Sonntag, 5. Juni 2016
ein ganzer tag (nach einer idee von richard gleim)
um 6 uhr morgens hatte ich schon so große langeweile, daß ich anfange alles was
hängt abzunehmen, um es zu reinigen.
ich mahle die kaffeebohnen, stehe lange und atme den duft ein.
ein moment auf den ich mich schon beim einschlafen freue.
erste dehnübungen während ich die katzentoilette säubere, pflanzen wässere
und endlich die 1. maschine fertig gewaschen hat. ich liebe es wäsche sorgfältig arrangiert aufzuhängen.
danach sitze ich vor dem bildschirm, herr katz putzt sich neben mir im sonnenfleck,
wir lesen die tagespresse.
ich beginne eine mail, schaffe aber nur wenige worte.
zu schwer, das verabschieden.
bevor ich mich bei fb einlogge, muß ich mein morgendliches ritual absolvieren - 3 verschiedene patiencen zu legen und jeweils meinen täglichen rekord zu unterbieten.
das macht mich äusserst wach.
die 2. maschine piept, einige vorhänge kann ich naß vor die offenen fenster hängen; eine gute übung für meinen, durch den hangelenksbruch geschwächten, linken arm.
frühstück vergesse ich, bis mir die bücher über das trauern in den blick kommen.
ich zwinge mich etwas zu essen, nur kaffee und kippen geht heute nicht. ich muß mein training machen und würde ohne feste nahrung glatt dabei umkippen.
es wird warm, ich lege mich nach draussen unter den schirm, zwischen kühlender wäsche. der kater freut sich wieder den balkon zu erobern, die eichhörnchen sind fort.
mein blick bleibt an den pflanztöpfen hängen, sie sehen aus, als hätte ich kleine wiesen angelegt. babyhörnchen hat alle kleeblüten vernichtet. ich schaue nach unten und sehe gewölle. überall und sehr dicht. ich mag spinnen, aber züchten will ich sie nicht.
ich fege den balkon, das erste mal seit dem märz und schnaube hinterher in schwarz.
schnell lese ich ein buch zuende; weine langsam, danach.
sonne! wie sehr hat er die sonne geliebt....lag meine hand neben seiner, leuchtete sie weiß. immer.
ein weiterer satz tropft in die mail und auf fb befreunde ich mich endlich wieder mit der fabulösen rudy simone.
ich schreibe an ma, ma antwortet sofort.
ich schreibe zurück, wir unterhalten uns per mail so viel wie nie zuvor.
sie ist fast taub, daher ist es eine erleichterung für sie, mir ist es eine freude.
liege dann wieder und denke nach. herr katz meckert, da ich seinen nachmittagssnack verzögere.
ein weiterdenken ist nicht mehr möglich.
das training möchte gemacht werden, heute schaffe ich nur 130 sit-ups, der rest turnt sich wie gewohnt. mein magen meldet sich; ich halbiere lauchzwiebeln, schreddere jungen knoblauch, mahle chili, erhitze olivenöl und koche spagettini - peccorino darüber und mein magen ist friedlich.
im radio spielen sie gewinnspiele. das wird mehr und mehr, ich schalte ab.
ich verabscheue jegliches spielen; und nein - patiencen spielt man nicht.
man legt sie.
inzwischen landet die letzte maschine. ich trinke tee, nehme 4 kekse und schreibe noch einen satz.
den ich sofort wieder lösche.
im ununterbrochenen denken fällt ein wort um.
"anstummen", anstelle von "anschweigen". ein toller versprecher von david.
ich mag es, aber leider fällt mein blick auf 2 fotos mit einem weissen autowrack, ich muß sie umdrehen und die vermaledeite mail beenden.
ich traue mich nicht sie abzusenden, mache es dann doch.
während des abwaschs esse ich ein viertelpfund erdbeeren, lasse wie immer die stiele auf dem teller liegen, bis der saft davon getrocknet ist.
das ist ein gutes wohnraumparfüm. den teller wasche ich erst morgen, es duftet lange.
ma antwortet, ich schreibe zurück und im radio läuft endlich die "dance-hall",
dabei läßt sich gut das katzen-wc reinigen. (man, wo das alles herkommt?)
mit einem glas wein, einer kippe, einem blick in den rostigen himmel wird es 9.
und ich bin fertig mit diesem tag.

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Freitag, 3. Juni 2016
loslassen, du mußt
habe ich am häufigsten gesagt bekommen.
abgesehen von dem "muß", welches man niemandem ausser sich selbst
befehlen sollte, ist das gequirlte kacke.
die aussagen nahm ich zunächst ernst und mühte mich daran, bis ich das gefühl hatte,
zu versteinern.
es ging mir immer schlechter und ich verbarg das, da mir die folgenden bemerkungen einleuchtend vorkamen und ich dachte - so muß das sein:
"tot ist tot und er ist nicht gestorben, damit du dich grämst."
"seine seele ist frei, es geht ihm gut und du hinderst die ihn engültig befreit zu sein, wenn du festhälst."
"jetzt ist aber mal genug."
....

ich kam mir vor, als trüge ich die verantwortung für den zustand seiner seele;
was immer sie ist und wo immer sie auch sein mag - ich bin mir da nicht sicher.
je länger (wer bestimmt was lange ist?) ich also trauere, desto übler für ihn.
aha.
nur meiner ärztin gegenüber brach mir die fassade einen spalt auseinander und sie gab mir rat, fürsorge und literatur über das trauern.
darin erkannte ich mich wieder, nicht mehr essen zu können, nicht mehr zu trinken;
das verdrängen/leugnen bis die realität dich erneut mit wucht zurückschleudert;
das gefühl irre zu sein und weiter zu werden;
nicht mehr zu funktionieren, alles zu vergessen, was vorher automatisch ablief;
sich dem gestorbenen nähern zu wollen, vielleicht auch zu vereinigen,
indem man am besten auch stirbt.
ich zitiere: (augustinus, nach dem tod seines besten freundes, ein 1. halbsatz wird von ihm zitiert, nach ovid) )

"durch diesen schmerz kam tiefe finsternis über mein herz....
ich war mir selbst zu einer einzigen großen frage, und ich forschte in meiner seele, warum sie traurig sei, warum sie mich so sehr verwirre, so wußte sie mir nichts zu antworten.
....
denn ich habe seine und meine seele als einzige in meinem körper empfunden (ovid, trist.IV,4,72) und deshalb schauderte es mich vor dem leben, weil ich nicht als halber leben wollte, und deshalb fürchtete ich vielleicht zu sterben, weil er, den ich so sehr geliebt, dann ganz gestorben wäre."


und ich zitiere: (verena kast, trauern)

"stirbt ein geliebter mensch, so nehmen wir in seinem sterben nicht nur antizipatorisch unser eigenes sterben vorweg; wir sterben in gewisser weise auch mit ihm.
es wird uns kaum je so radikal bewußt wie beim tod eines geliebten menschen, in welchem maß wir uns aus unseren beziehungen zu anderen menschen und dingen verstehen und erfahren, in welchem maß der tod einer solchen beziehung uns aufbricht und neuorientierung verlangt.
....
die welt tritt dem trauernden anders gegenüber als dem menschen, der nicht trauert.
und je stärker die trauer und der tod in einer gesellschaft verdrängt werden, um so weniger spontan wird diese gesellschaft mit den trauernden umgehen, desto schneller wird sie fordern, daß man endlich wieder einmal mit der trauer aufhören sollte."


wann wurde eigentlich das trauerjahr abgeschafft?
wie jede andere, hatte auch unsere gesellschaft riten und formen, um "ordentlich" trauern zu können.
die treffen seiner freunde, um seine wohnung wieder herzurichten, die trauerfeier, seine bestattung,
all das gab mir kraft und hielt mich;
im moment aber, alleine und wie unter wasser lebend, hält mich nichts mehr fest.
okay sage ich mir, ich werde aushalten, denn ich will nicht ertrinken.
und die anderen sollten mich (los-)lassen.

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Donnerstag, 18. Februar 2016
broken hand
ich bin gefallen, man könnte auch sagen geflogen.
eine steintreppe hinauf, ohne bremse.
zum glück hatte ich einen airbag; man reisst ja instiktiv die arme vor den kopf und ich trug einen vollen müllbeutel mit mir.
der hat zumindest meine zähne und die nase gerettet.
der restliche körper traf zielgenau auf.
die rechte kniescheibe knallte auf den rand, hüfte und schulter dito;
meine linke hand ließ handschuhe und schlüssel nicht los, so traf es mein hangelenk.
und das sieht nicht mehr schön aus.
der bruch ist aber nun ummantelt mit einem schrill-pinkem gips, gehalten von
schwarzem klettverschlüssen.
ich hätte ja gerne gelben gips gehabt, den gibt es aber nicht.
zwei schulunfälle waren vor mir dran, beide mädchen (ca.11 jahre) weigerten sich,
den pinken gips zu tragen.
beide wollten dunkelblau uns schauten entsetzt auf meinen arm.
die ein krückte sich verächtlich schweigend an mir vorbei, die andere meinte
"wähhh, son prinzessin-xxx-(hab ich nicht verstanden)rosa is doch voll eklig!"
ich
"wenn du in mein alter kommst, wirst du das wieder mögen."
sie
"naja nich, det sieht mit so weißen haaren zusammen nich schlecht aus wa?"
ich
"hornisse hätte mir weitaus besser gefallen."
sie verstand mich und wir haben eine runde kichern können.
sie trug noch salzränder auf ihren wangen....

nachdem ich unterrichtet wurde, daß der bruch doch nicht operiert werden muß,
bot ich meinem, mir fremden unterarm, das du an.
wir zwei müssen ja die nächsten wochen miteinander leben.
heute bekomme ich einen großen schraubstock, dann kann ich einiges selber öffnen;
vorgekochtes essen für die nächsten tage und am montag wird mich eine freundin in die badewanne begleiten, jedenfalls am rande.
man ahnt ja nicht, was alles nicht mehr machbar ist.
nun, wie immer hatte ich glück im unglück.
und habe es weiterhin.

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Montag, 19. Oktober 2015
kein geld gegen träume!
ich träume
daß ich stand und träumte
ein spritzer grün floß vorbei an den rispen
bis in mein herz
im traum des traumes
schloß ich mich in meine arme
tanzte den walzer
wie vor jahren
als das parkett noch dunkel war
so wie mein damaliges träumen das den raum füllte
mit dämonen die mir die tage verschlangen.
 

heute sonnt sich eine katz
auf dem gebleichten holz
die türen sind geöffnet
und ich träume daß ich stehe und lebe.
ein wachtraum
gefüllt mit allen möglichen farben
die die dämonen nun vertrieben haben.
 
 

nicht malen, nicht schreiben
nichts ging mehr.
doch ich weiß, was sich davor türmte; all die unternehmungen wie ausstellungen und lesungen, vergangene und die vorstellung zukünftiger sind zusammengenommen ein gebirge.
viele menschen sagten mir meine bilder wären kunst und gehörten nicht mir; sie müssten ans licht.
desgleichen wurde mir nach den lesungen mitgeteilt; es betraf meine worte.
sie haben recht.
ich verstehe ja was sie meinen.
ich male mit worten und ich male mit farben, mein innerstes heraus.
das ist und das bleibt unverkäuflich.
ich bin nicht dafür geschaffen mich auf irgendeinem markt durchzusetzen, das ist nicht der sinn meiner arbeit.
verschenken und vergeben, zeigen und vorlesen -
so werde ich das machen.

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Letzte Aktualisierung: 2018.12.13, 11:06
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